Gesichter der vhs Neustadt
Recherche: Aron Schady

Wolfgang Günther
Wolfgang Günther war nach dem Ende des zweiten Weltkriegs Leiter des Komitees zur Wiedereinrichtung einer Volkshochschule in Neustadt und wurde nach der Gründung deren erster Leiter. Unter seiner Leitung orientierte sich das Programm der Volkshochschule am universitären Vorbild mit Semestern, Fakultäten und Vorlesungen. Im weiteren Verlauf wurden jedoch auch weitere Angebote wie Sprachkurse, Maschinenschreiben oder Berufsbildungskurse für Jugendliche eingeführt. Unter der Leitung von Wolfgang Günther fand die erste Studienreise nach Italien und die Hochschulwoche in Kooperation mit der Universität Mainz statt. Im Sommer 1957 Wolfgang Günther aus der vhs Neustadt aus und wurde am 1. Juni 1957 zum hauptberuflichen Leiter der Heimvolkshochschule Lambrecht berufen.

Werner Hildebrandt
Werner Hildebrandt (* 1924 in Küstrin) arbeitete nach seinem Lehramtsstudium zunächst als Lehrer, ab 1948 als Schulleiter und Dozent in der Lehrerausbildung. 1952 kam er von Berlin nach Neustadt an der Weinstraße, wo er 1954 zum Geschäftsführer und 1957 zum Leiter der vhs ernannt wurde. Unter seiner Leitung wurden vor allem die Berufsbildungs-Angebote erweitert und die Kooperation mit dem Arbeitsamt zur Erlangung von Schulabschlüssen begonnen. Das Angebot an politischer Bildung war ihm wichtig, ebenso der Ausbau der Studienreisen und die beginnenden Städtepartnerschaften. Von 1960 bis 1970 gelang es, die Anzahl der Kurse, Arbeitskreise und Teilnehmendenzahlen zu verdoppeln. Werner Hildebrandt schied 1987 aus dem Amt des vhs-Leiters aus.

Anton Frey
Anton Frey (*1952 in Lahr) hatte Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung und Volkswirtschaftslehre an der Universität Freiburg studiert und war als Leiter der Kreisvolkshochschule Horb am Neckar tätig, bevor er im Juli 1987 an die vhs Neustadt kam. Er übernahm zunächst die Leitung der Volkshochschule, wurde dann nach einer Umstrukturierung ab pädagogischer Leiter und hatte ab 2013 keine Führungsaufgaben mehr inne. Er verließ die vhs im Jahr


Dr. Dagmar Fries
Dr. Dagmar Fries (*1955 in Essen) promovierte in romanischer Sprache, Literaturwissenschaft sowie Wirtschafts- und Sozialgeschichte. 1989 kam sie als pädagogische Mitarbeiterin für die Bereiche Sprachen und Gesundheit an die vhs Neustadt, übernahm 2002 die pädagogische Leitung der vhs. Unter ihrer Führung wurde 1999 die landesweite Qualifizierung für Sprachförderkräfte an KiTas entwickelt, die 2010 mit dem rheinland-pfälzischen Weiterbildungspreis ausgezeichnet wurde.
Drei Fragen an Dagmar Fries:
Woran erinnern Sie sich gerne in Ihrer Zeit bei der vhs Neustadt? “Ich verbinde viele schöne Erinnerungen mit meiner Zeit bei der vhs. Besonders schön war es immer, wenn wir am Ende von Lehrgängen/Prüfungen Zertifikate an erfolgreiche Absolventen vergeben konnten. Dies haben wir bei zahlreichen Sprachprüfungen gemacht, aber auch z. B. bei den Lehrgängen für Gesundheitsberater/innen oder neue Sprachförderkräfte. Ein besonderes Erfolgserlebnis war auch, dass wir für unser Projekt zur Ausbildung von Sprachförderkräften mit dem Verband der Volkshochschulen von Rheinland-Pfalz und der Katholischen Erwachsenenbildung 2011 den Weiterbildungspreis des Landes erhielten und es einmal mit unserer Sprachförderung sogar bis in die „Tagesschau“ schafften. Eine Freude war es auch immer, wenn wir von Dozentinnen und Dozenten oder Teilnehmerinnen und Teilnehmern gehört haben, dass unsere Veranstaltungen für sie etwas Positives bewirkt haben, sie in ihrem Leben weitergebracht haben. Das sind Erfolgserlebnisse für das ganze vhs-Team, das Weiterbildung Tag für Tag organisiert.”
Welche Kurse waren damals besonders beliebt?“Wenn ich auf 30 Jahre vhs-Arbeit zurückblicke, gab es erhebliche Veränderungen im Programm. In den 80er und 90er Jahren spielten z. B. noch Schulabschlüsse auf dem zweiten Bildungsweg eine Rolle. Dies ist heute, da das Schulsystem erheblich durchlässiger geworden ist, nicht mehr der Fall. Wichtig waren in den 90er und 2000er Jahren auch Maßnahmen, die den Wiedereinstieg von Frauen in den Beruf nach der „Familienphase“ förderten. Ich selbst konnte im Sprachenbereich die zunehmende Internationalisierung im Berufsleben wie im Privaten mit entsprechenden Kursen fördern und begleiten. Wir haben seinerzeit ein sehr umfangreiches Sprachenangebot organisiert und in gewissem Umfang auch maßgeschneiderte Sprachkurse für ortsansässige Firmen und Behörden entwickelt. Es gibt über all die Jahre aber auch „Dauerbrenner“: Yoga oder Fotografie sind heute genauso beliebt wie vor 30 Jahren.”
Wie hat sich das Lernen verändert? “Eine offensichtliche Veränderung hat sich im Medienbereich ergeben: während früher zur Veranschaulichung noch mit Dias oder Overhead-Folien gearbeitet wurde, ist inzwischen die Digitalisierung auch in den Volkshochschulen voll angekommen. Das ermöglicht ein zeitlich und räumlich viel flexibleres Lernen sowie eine größere Aktualität und Authentizität bei der Einbeziehung von Inhalten. Dennoch, denke ich, spielt der direkte persönliche Kontakt und Austausch mit anderen Menschen vor Ort eine große Rolle und ist ein großes Plus der Volkshochschulen. Deshalb freut es mich für die VHS Neustadt sehr, dass bald wieder zentrale Bildungsangebote in einem Haus vereint sein werden. Eine Veränderung noch, die ich generell feststelle: die Zeiten sind schnelllebiger geworden und es gibt ein deutlich größeres Freizeitangebot als vor Jahren. Deshalb binden sich Teilnehmer/innen seltener an einen Kurs, sondern probieren mehr Unterschiedliches aus. Das ist einerseits gut, bringt aber auch Probleme mit sich, wenn sich wie z. B. bei den Sprachen Lernerfolge erst über eine größere Kontinuität einstellen.”

Rolf Müller
Rolf Müller (*1958 in Diedesfeld) war während seines gesamten Berufslebens in unterschiedlichen Positionen bei der Stadtverwaltung Neustadt tätig. 2002 wurde er zum kaufmännischen Leiter der Volkshochschule Neustadt ernannt. 2006 übernahm er außerdem die Leitung des Fachbereichs für Bildung, Kultur und Sport, zu dem auch die Volkshochschule gehört. 2020 schied er nach 45 Dienstjahren aus dem Berufsleben aus.
Drei Fragen an Rolf Müller:
Woran erinnern Sie sich gerne in Ihrer Zeit bei der vhs Neustadt? “Als ich 2002 zum Volkshochschule Neustadt an der Weinstraße e.V. abgeordnet wurde, stand die vhs massiv in der Kritik. Durch vereinte Kräfte konnten wir über das Einführen eines Qualitätsmanagements, dem damit verbundenen Leitbild, und u.a. durch das Führen von Mitarbeiter-Vorgesetzten-Gesprächen, eine moderne, anerkannte und zukunftsorientierte Bildungseinrichtung zum Wohle unserer Bürgerinnen und Bürger schaffen. Die Begegnungen, die Zusammenarbeit sowie der Austausch mit Teilnehmenden, Dozentinnen und Dozenten sowie Kolleginnen und Kollegen waren eine Bereicherung in meinen Leben. Vielen Dank für das entgegen gebrachte Vertrauen und die Unterstützung.”
Welche Kurse waren damals besonders beliebt? “Das Kursangebot umfasste im Projektbereich spezifische Lernangebote und Weiterbildungsqualifikationen für Jugendliche, junge Mütter, Frauen und im Bereich Freizeitwirtschaft zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt oder zur sozialen Integration. Außerdem waren die Bereiche Sprachförderung für Kinder sowie für Neuzugewanderte zur Integration und Sprachkurse im Allgemeinen maßgebliche Schwerpunkte des Angebots.”
Wie hat sich das Lernen verändert? “Aufgrund unserer Digitalisierungsstrategie konnten wir unser Kursangebot nach und nach mit online-Angeboten anreichern. Es öffnete uns sozusagen die Tür in eine andere Welt. Gott sei Dank, ist es uns gelungen im Rahmen der Umstrukturierung die besonderen Unterrichtsräume (wie Küche, Gymnastik-, Kunst- und EDV-Raum) als eigene Räume zu erhalten. Sie sind mit die Basis für ein vielfältiges Angebot. Mit dem Etablieren des Bildungsbüros können Bedarfe datenbasiert in allen Bereichen erhoben und identifiziert, neue Angebote geschaffen werden. Neustadt ist somit für die Zukunft bestens aufgestellt. Mit Hilfe des Akademie-Konzepts und der Rückkehr aller Akteure in die Hindenburgstraße 14 sollte der Weg zum Bildungscampus frei sein. Viel Erfolg dafür!”


Ilirjana Haas
Ilirjana Haas (*1972 in Albanien) studierte Slawistik, Anglistik und französische Literatur, außerdem Deutsch, Erziehungswissenschaften und Ethnologie. Seit 2017 ist sie für die vhs Neustadt tätig, zunächst als pädagogische Mitarbeiterim im Bereich Deutsch als Fremdsprache, seit 2020 als Leiterin der vhs. Der Schwerpunkt Ihrer Arbeit liegt auf der Modernisierung dem dem Ausbau der vhs, der Förderung digitaler Angebote sowie der politischen und beruflichen Bildung.
Ilirjana Haas im Gespräch:
Zu den aktuellen Herausforderungen der vhs zählen auf jeden Fall die Finanzierung und damit verbundene Planungssicherheit. Unsere Volkshochschule ist, wie viele andere Volkshochschulen und kommunale Einrichtungen, auf öffentliche Zuschüsse angewiesen. Gleichzeitig stehen Kommunen und Länder unter enormem finanziellem Druck. Die vhs braucht deshalb langfristig verlässliche Finanzierung, um Infrastruktur, Kursangebot, Personal und Investitionen sichern zu können. Aber auch Digitalisierung und KI sind ein Thema: Wir haben in den letzten Jahren unsere technische Ausstattung modernisiert und bieten bereits diverse digitale bzw. hybride Lernangebote an. Diesen Bereich gilt es weiterzuentwickeln. Gleichzeitig müssen wir unsere Lehrkräfte und Teilnehmende dabei unterstützen, Kompetenzen im Umgang mit KI und digitalen Medien zu erwerben. Die vhs ist prädestiniert dafür, auf Gesellschaftliche Veränderungen und notwendige Integration zu antworten. Besonders wichtig sind niedrigschwellige Angebote, die möglichst vielen Menschen Bildung und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Nicht zuletzt haben sich die Bedürfnisse der Teilnehmenden geändert: Menschen erwarten zunehmend flexible Lernformen, digitale Angebote und Weiterbildung, die zu den Anforderungen einer sich schnell wandelnden Arbeitswelt passen. Gleichzeitig bleibt die vhs als Ort der persönlichen Begegnung und des sozialen Austauschs wichtig.
Für mich die vhs ein Ort, in dem nicht nur fundiertes Wissen vermittelt wird, sondern auch individuelle Kompetenzen ausgebaut werden können. Hier sind Begegnungen und Debattenkultur möglich, die das Miteinander stärken.
Ich denke, die vhs der Zukunft wird immer am Puls der Zeit sein und für ein attraktives und lebendiges Neustadt stehen.