Lernorte im Wandel: Gebäude der vhs in Neustadt
Recherche und Text: Chiara Martillotto

Die Anfangsjahre bis 1951
In den letzten 80 Jahren dienten ganz unterschiedliche Gebäude in Neustadt der Volkshochschule als Kursorte. So fanden in den ersten Jahren beispielsweise Gymnastikkurse im Saalbau statt. Auch verschiedenen Schulen,wie z.B die damalige Oberrealschule (heute Leibnizgymnasium) dienten als Kursort. Außerdem wurden Weinseminare in den Außenstellen Mußbach und Hambach angeboten. Des Weiteren wurden im Sitzungssaal der Provinzialregierung in der Kaiserstraße 11 und 2 (heute Friedrich-Ebert-Straße) Kurse angeboten.

1951 - 1960: In der Schütt 2
Im Jahr 1951 erhielt die Volkshochschule erstmals ein eigenes Gebäude. Dabei handelte es sich um ein ehemaliges Schulhaus aus dem Jahr 1860 in der Schütt 2 mit einer Fläche von rund 600 Quadratmetern. Diese räumliche Situation bestand jedoch nur vorübergehend. Anfang Oktober 1959 ging das Gebäude in den Besitz der Hamburger Mannheimer Versicherung über, die es erwarb, um an gleicher Stelle einen modernen Neubau zu errichten. Infolgedessen sah sich die Volkshochschule erneut mit erheblichen Raumproblemen konfrontiert.

Als alternative Unterbringung wurde das sogenannte Lingenfeldersche Anwesen am Karlsberg in der Villenstraße in Betracht gezogen. Vorgesehen war, das Gebäude für die Bedürfnisse der Volkshochschule umzubauen. Allerdings war das Anwesen bis August 1960 durch die Oberfinanzdirektion belegt, sodass sich ein geplanter Umbau um etwa vier Monate verzögert hätte. Übergangsweise konnte die Volkshochschule weiterhin die Räumlichkeiten in der Schütt nutzen.
Neben den organisatorischen Herausforderungen traten erhebliche finanzielle Probleme auf. Die städtischen Zuschüsse für die Volkshochschule hätten sich im Falle eines Umbaus am Karlsberg nach seiner Einschätzung des Beigeordneten Dreyer auf 40.000 DM verdoppelt. Angesichts von rund 3.000 Wohnungssuchenden in der Stadt hielt Dreyer eine solche Mittelaufstockung jedoch für nicht vertretbar. Seiner Auffassung nach sollten die verfügbaren finanziellen Ressourcen vorrangig dem Wohnungsbau zugutekommen. Vor dem Hintergrund dieser Diskussionen wurde zudem der konkrete Raumbedarf der Volkshochschule definiert. Als Mindestbedarf galten ein Anmelderaum, zwei Büroräume, eine Bücherei mit Fernsehzimmer, drei Klassenräume, ein Maschinenschreibsaal, ein Vortrags- und Filmsaal sowie ein Abstellraum.

1960 - 1974: Fröbelstraße 26
Nach langwierigen Verhandlungen und dem Scheitern mehrerer vorheriger Standortlösungen ergab sich ein neuer Lösungsansatz für die räumliche Unterbringung der Volkshochschule. Im Rahmen einer Sitzung des städtischen Finanzausschusses wurde der Verwaltung das Anwesen der Firma Hoch in der Fröbelstraße zum Kaufpreis von 115 000 Mark angeboten.
Das Gebäude in der Fröbelstraße war im Erdgeschoss mit sechs relativ großzügigen Räumen ausgestattet, die ohne größeren Umbau für Lehr- und Verwaltungszwecke genutzt werden konnten.

Zudem befand sich im rückwärtigen Bereich eine ehemalige Packhalle mit etwa 200 Quadratmetern Fläche, die zusätzliches Nutzpotenzial bot. Über dieser Halle lag ein Lagerraum mit zwei weiteren Büroräumen, deren Nutzung flexibel denkbar war. Neben den funktionalen Aspekten wurde auch die günstige Lage mit guten Parkmöglichkeiten als vorteilhaft hervorgehoben, da sie sowohl für Lehrende als auch für Teilnehmende verkehrlich gut angebunden war.
Auf Einladung des Oberbürgermeisters besichtigte daraufhin der Bauausschuss der Stadtverwaltung das Anwesen in der Fröbelstraße. Die abschließende Bewertung dieses Rundgangs lautete, dass es sich nicht um eine unbedingt ideale Lösung handle, aber dennoch um die beste bislang verfügbare Option, um den drängenden Raumbedarf der vhs zu decken. Angesichts dieser Einschätzung und der schwierigen finanziellen und infrastrukturellen Ausgangslage entschied sich die Stadtverwaltung, das Anwesen zu erwerben. Somit zog die Volkshochschule im Jahr 1960 in das Gebäude in der Fröbelstraße ein, womit eine vorläufige Beendigung der langjährigen Raumnot erreicht wurde.
Trotz der verbesserten räumlichen Situation erwies sich jedoch auch dieser Standort als bald unzureichend für die wachsenden Anforderungen der vhs. Die steigenden Teilnehmerzahlen führten schon kurz nach dem Umzug zu erneuten Platzengpässen. Besonders deutlich wurde der Bedarf an einem Auditorium mit Bühne, das für Veranstaltungen, Vorträge und größere Zusammenkünfte notwendig war.

Seit 1974: Hindenburgstr. 14
1974 konnte die vhs schließlich in das Gebäude in der Hindenburgstraße 14 ziehen. Errichtet wurde es in den Jahren 1884 bis 1886 als repräsentatives Schulhaus für das Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium. Der Bau entstand in einer Zeit, in der das Bildungswesen stark ausgebaut wurde und höhere Schulen zunehmend an Bedeutung gewannen. Entsprechend großzügig und funktional wurde das Gebäude konzipiert: Mit hohen Klassenräumen, großen Fenstern zur optimalen Belichtung und einer klar gegliederten Fassadengestaltung entsprach es den architektonischen Vorstellungen des späten 19. Jahrhunderts.

Nach dem Umzug des Gymnasiums in einen Neubau in der Landwehrstraße war hier zunächst die erste Realschule Neustadts untergebracht, bis 1974 die vhs gemeinsam mit dem Haus der Jugend das Gebäude zu einem offenen Bildungs- und Begegnungszentrum machte.
Als das Gebäude 2007 rund zwei Jahre lang saniert werden sollte, fand die vhs ein Ausweichquartier im Klemmhof. Dort bezog man in den Leerständen der Ladenpassage zehn Unterrichtsräume, zudem wurde die Beratungsstelle “Frau und Beruf” und das Projekt “Junge Mütter lernen” hier angesiedelt.
2009 musste der Klemmhof jedoch geräumt werden, weil er nicht mehr standsicher war. Die Kurse wurden übergangsweise in die Schöntalschule verlagert, bis im Januar 2010 dann die Wiedereröffnung des Gebäudes in der Hindenburgstraße gefeiert wurde. Allerdings musste sich die vhs die Räume mit der Stadtkasse teilen, weshalb das Verwaltungs-Team der vhs zunächst im Gebäude gegenüber, dann in der Konrad-Adenauer-Straße seine Büros hatte.
Ende 2026 wird die langgehegte Wunsch endlich wahr, die gesamte vhs-Familie unter einem Dach zu haben. Die Stadtkasse hat eine anderes Gebäude bezogen, so dass neben der vhs-Verwaltung auch die Abteilung “Deutsch als Fremdsprache” und das Bildungsbüro mit einziehen kann. Ganz im Sinne eines zukunftsorientierten Bildungscampus.

Ab 2011: Deutsch als Fremdsprache in der Lindenstraße 15
2011 wurde der Standort Klemmhof aus Kostengründen aufgegeben und das Gebäude des ehemaligen Amtsgerichts in der Lindenstraße angemietet. Der Standort entwickelte sich schnell zum Zentrum des wachsenden Bereichs “Deutsch als Fremdsprache”. 2024 öffnete hier auch das neue “Lernzentrum für Sprachförderung” seine Türen. Mit dem Umzug der gesamtem vhs in die Hindenburgstraße werden auch die Deutschkurse zukünftig im großen vhs-Gebäude stattfinden.
