
Gisela Grade
Jahrgang 1957, Mitarbeiterin der vhs Neustadt von 1981 bis 20021:
"Ich persönlich habe es geliebt mit vhs-Teilnehmern aller Altersgruppen zusammen zu arbeiten. Als vhs-Team haben wir sehr gerne Ausstellungen und Tage der offenen Tür organisiert. Die Dozierenden haben für diese Events immer tolle Aktionen auf die Beine gestellt und für die Kursteilnehmenden war das eine große Freude. Ich selber habe sehr gerne die Kunstwochen für Kinder in den Ferien betreut.
Die vhs hat viele Jahre Fortbildungslehrgänge mit hohem Anspruch angeboten, z. B. Abitur, Bilanzbuchhalter und Sekretärinnen-Seminare. Das war ein guter Gegensatz zu den anderen Kursen. Fasziniert hat mich in meiner 40jährigen Tätigkeit bei der vhs der digitale Fortschritt: ich habe alles miterlebt von der manuellen Schreibmaschine bis zum Computer. Verändert haben sich im Laufe der Jahre auch die Sprach- und die Kochkurse: Die Menschen unternahmen mehr Reisen, so dass auch „exotische“ Sprachen und Rezepte aus fernen Ländern ins Programm kamen. Leitgedanke war in allen Jahren, möglichst in allen Bereichen etwas anzubieten und präsent zu sein."

Karin Kupka, geb. Riffel
Jahrgang 1942, vhs-Teilnehmerin seit 1959
Ich habe ganz früh mit Spanischlernen angefangen. Ich wollte Sprachen lernen, weil ich die Welt bereisen wollte. 1959 habe ich an Spanischkursen in der vhs teilgenommen, dann das Spanisch-Zertifikat erworben und selber Anfängerkurse unterrichtet. Ich habe auch Italienisch gelernt und viele Sprachen in der Volkshochschule ausprobiert: Arabisch, Hebräisch, Neugriechisch und Türkisch. Das hat mir immer großen Spaß gemacht, auch wenn ich nicht alle Sprachen weiter vertieft habe. Die Sprachen, in denen ich ein Zertifikat erworben habe, konnte ich allerdings auch beruflich nutzen: Ich habe am Gericht gearbeitet und zur Zeit der französischen Militärregierung konnte dort niemand Französisch außer mir. Da konnte ich oft dolmetschen und so Dinge auf dem kurzen juristischen Weg klären. Wir haben eng mit dem Bureau administratif local zusammengearbeitet und ich habe auch bei Alltagsdingen geholfen. Auch später waren mir meine Sprachkenntnisse beruflich noch nützlich, wenn bei Nachlassterminen Familien aus dem Ausland involviert waren und ich die Gespräche in deren Muttersprache führen konnte.
In den fünfziger Jahren war Bildung für Frauen noch keine Selbstverständlichkeit: Ich habe am Leibniz-Gymnasium mein Abitur gemacht und war das einzige Mädchen in der Klasse! Ich habe keine Probleme gehabt mich zu behaupten. Aber da war ich vermutlich eine Ausnahme.
Ich habe an der vhs nicht nur Sprachkurse besucht, sondern auch viele Vorträge gehört. Mein Lieblingsthema waren die unterschiedlichen Weltreligionen, ich reise nämlich leidenschaftlich gerne um die Welt. Bis heute bin ich der vhs verbunden: Ich fahre jedes Jahr mit zur Sprachreise nach Macon, wo wir an der Universität gemeinsam mit Menschen aus den anderen europäischen Partnerstädten unsere Französischkenntnisse vertiefen. Das macht mir immer sehr viel Spaß!
Ich bin sicher, dass die Sprachkurse der Volkshochschule einiges dazu beitrugen, dass die Verständigung während der französischen Militärregierung klappte. Und heute hat die vhs mit den Deutschkursen eine sehr wichtige Rolle für die Integration von Geflüchteten. Ich finde, die Volkshochschulen sind eine ganz einzigartige Institution in Deutschland, die es so bei unseren europäischen Nachbarn nicht gibt. Das Programm der vhs ist breit aufgestellt, da ist für jeden etwas dabei. Und sie ist vor Ort, das ist ein ganz wichtiger Vorteil.


Helge Mock
Jahrgang 1955, vhs-Teilnehmer seit 1975, Dozent seit 1981
Meinen ersten Kurs – einen Zeichenkurs – bei der Volkshochschule Neustadt besuchte ich im Jahr 1975. Ich kam als Dilettant in eine Gruppe zeichenbegabter Menschen. Zu Anfang war es schwer, mit dem dicken Kohlestift etwas Sinnvolles aufs Papier zu bringen. Aber unter Anleitung der Dozentin Marcella Woitschach wurde ich selbstsicherer.
An einem sonnigen Apriltag 1979 traf ich am Neustadter Elwetritschebrunnen eine Schar von Fotoenthusiasten, die den Anweisungen Detlev Röders folgend den neuen Brunnen von allen Seiten ablichteten. Ich fotografierte bereits seit Jugendjahren und hatte auch schon mit eigenen Abzügen experimentiert. Ich fühlte aber, dass ich besser werden wollte und so war es nur ein kleiner Schritt, dem vhs-Fotokreis um Detlev Röder beizutreten.
Wir trafen uns jeden ersten Freitag im Monat im Laborraum im vhs-Gebäude. Wir diskutierten über die mitgebrachten Bilder und bestaunten manchmal auch Diareihen im Großformat. Wir tauschten uns aus, besprachen anstehende fotografische Probleme oder erläuterten technische Zusammenhänge der Fotoapparate. Alle zwei Jahre zeigten wir unsere Werke in einer Ausstellung. Das war für jeden von uns ein besonderer Reiz und eine Herausforderung, sich der Öffentlichkeit und damit der allgemeinen Kritik zu stellen. Aber die gemeinsame Anstrengung hat uns auch zusammengeschweißt. Ab 1981 habe ich dann die Leitung des vhs-Fotokreise übernommen.
Mich interessierte auch, was in den anderen Schulräumen passierte und tatsächlich durfte ich einigen Kurse besuchen und fotografisch festhalten. Für meine primitive Ausrüstung und mich war das eine Herausforderung, denn die Schulsäle waren groß und nicht gut beleuchtet. Belohnt wurde ich mit interessanten Einblicken in das große Gebäude und mit dem Kontakt zu interessanten Menschen.
Ich habe viele positive Erinnerungen an diese Zeit und zu den Menschen, die ich kennenlernen durfte. Der vhs fühle ich mich dadurch immer noch verbunden.